Trend mit fatalen Folgen – Ergebnisse der Codecheck Palmöl-Studie

  • Laut Codecheck-Studie steigt Anzahl der Lebensmittel mit Palmöl kontinuierlich
  • Besonders Schokocremes, Wurstwaren, Junk-Food, Fertiggerichte und Cracker sind betroffen
  • Hingegen sinkt der Einsatz von Bio-Palmöl in Lebensmitteln

Zürich, 02. Dezember 2015 – Palmöl kommt immer häufiger in Lebensmitteln vor. Das ergibt eine aktuelle Analyse von Codecheck, dem größten deutschsprachigen Produktratgeber mit über 26 Millionen registrierten Produkten. Dieser Trend kann fatale Folgen haben, denn durch Brandrodungen, den Einsatz aggressiver Düngemittel, Zwangsvertreibungen von Kleinbauern und indigenen Gemeinden bringt der Anbau von Ölpalmen erhebliche ökologische, soziale und menschenrechtliche Probleme mit sich. Doch trotzdem steigt die Verwendung des billigen Rohstoffs.

Vorsicht bei Kosmetika

Palmöl wird in vielen Lebensmitteln als günstiger Konsistenzgeber benutzt. In Gewürzen, Nussmischungen, Waschmitteln oder Kosmetika vermuten es jedoch die wenigsten. Besonders bei Körperpflegeprodukten besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass unter den Inhaltsstoffen auch Palmöl aufgelistet ist. So enthalten 49,8 Prozent aller bei Codecheck registrierten Augenpflege-Produkte, 44 Prozent aller Gesichtscremes und 42 Prozent der Make-ups das problematische Öl.

Palmöl bei Nahrungsmittel auf der Überholspur

Der Trend zum billigen Fett macht auch vor Nahrungsmitteln nicht Halt. Während bei Pflegeprodukten ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, steigt bei Lebensmittel der Palmölanteil um durchschnittlich 6,5 Prozent im Vergleich zu 2013. Im Einzelfall, wie etwa bei Nuss- und Schokocremes, kann dieser Anstieg sogar eine Differenz von bis zu 26 Prozent ausmachen. Vor allem Junk-Food sollte mit Vorsicht genossen werden, denn hier gibt es laut Codecheck die größte Wahrscheinlichkeit auf Palmöl zu treffen. Jede zweite Nussmischung, jede dritte Schoko-, Nuss- und Milchcreme oder Wurstware, jedes vierte Asia-Fertiggericht und jeder fünfte Cracker hat das meist umweltzerstörend hergestellte Öl definitiv auf der Zutatenliste.

Rückgang von fragwürdigen Bio-Zertifikaten bei Palmöl

Er ist widersprüchlich, aber trotz des wachsenden Interesses an „guten“ Lebensmitteln, hat die Verwendung von Bio-Palmöl in den letzten Jahren in ausnahmslos jeder der analysierten Lebensmittel-Kategorien prozentual abgenommen. Und das, obwohl die Verwendung von Bio-Palmöl durchschnittlich bei einem Anteil von unter einem Prozent liegt. Während 2013 beispielsweise noch 14,6 Prozent aller Cracker Bio-Palmöl enthielten, waren es 2015 nur noch 4 Prozent. Grund dafür kann die wachsende Kritik an Bio-Zertifizierungen sein, da diese in Verruf geraten sind, nur „Mindeststandards“ zu vertreten, da bindende Verpflichtungen fehlen oder erhebliche Schwächen, Mängel und Regelverstöße nicht ausgeschlossen werden können. So wird zum Beispiel der größten Initiative im Palmölsektor, der Roundtable on Sustainable Palmoil vorgeworfen, weiterhin den Anbau auf Torfböden zu erlauben oder Feldarbeiter unter schlechten Arbeitsbedingungen schuften zu lassen.

Außerdem stammten laut Ökotest 2013 99 Prozent des zertifizierten Palmöls im Bereich Waschmittel, Reinigung, Kosmetika aus Zertifikathandel (Book and Claim). Das heißt lediglich, dass für die eingesetzte Menge Palmöl genauso viel zertifiziertes Palmöl produziert wurde.

Trend mit fatalen Folgen

Für die Palmplantagen wird in Asien stündlich Regenwald in der Größe von 300 Fußballfeldern gerodet, Menschen und Tiere vertrieben. „Die Nachfrage nach Palmöl wächst global noch immer. Einerseits weil der Konsum von Produkten mit Palmöl wie Nahrungsmittel und Kosmetika steigt, andererseits weil Palmöl zunehmend für die Produktion von Agrotreibstoff verwendet wird“, so Mirjam Kopp von Greenpeace. In fast jedem Bereich des täglichen Lebens, kommt man nicht an Palmöl vorbei. Dabei ist eine Nutzung von Palmöl meist gar nicht notwendig, da es durch andere Fette mit den gleichen Eigenschaften ersetzt werden könnte.

Unser Konsum beeinflusst den Welthandel 

Ein nachhaltiger und bewusster Konsum kann helfen, maßgeblich Einfluss gegen Regenwaldabholzung und Artensterben zu nehmen. Hilfreich ist es hier auf Produkte ohne Palmöl, welche stattdessen nachhaltigere Fette wie etwa Kokosöl oder Shea-Butter enthalten, auszuweichen.

Codecheck ist momentan die einzige App, die Palmöl anzeigt und Alternativprodukte vorschlägt. Auch Petitionen und Briefbeschwerden an Unternehmen können, wie im Falle einer indonesischen Palmölfirma im September dieses Jahres, einen Beitrag leisten. Der Deutsche Bundestag verzeichnete bereits 2014 eine Häufung von Beschwerden im Zusammenhang mit Palmölprojekten – ein Trend, der Hoffnung macht. Auch hilft es Unternehmen, die Palmöl in ihren Produkten verwenden, anzuschreiben und um die Verwendung von Alternativstoffen zu bitten. Je mehr sich beschweren, desto eher wird gehört. Eine komplette Umstellung auf andere Fette und Öle kann dennoch keine endgültige Lösung sein, da auch ein massenhafter Anbau von anderen Ölpflanzen wie Raps oder Sonnenblumen das Problem nur verlagern würden. Aktuell arbeiten Forscher an einer Alternative, die nicht auf großen Plantagen angebaut werden muss: ein Ersatzstoff aus Hefekulturen.

Über Codecheck.info:

Codecheck ist mit mehr als 26 Millionen Produkten und über 2,5 Millionen App-Downloads der größte deutschsprachige Online-Produktratgeber.

Konsumenten informieren sich bei Codecheck kostenlos via Website und App über Produkte und deren Inhaltsstoffe. Dazu werden Experteneinschätzungen über die potenzielle Gefährlichkeit der Inhaltsstoffe für Körper und Umwelt angezeigt.

Bei Kosmetikprodukten liefert Codecheck Informationen zu hormonellen Inhaltsstoffen, Mikroplastik oder auch Aluminiumbestandteilen. Im Bereich der Lebensmittel zeigt Codecheck neben detaillierten Nährwertangaben auch via Ampelfarben, ob ein Produkt zu viel Zucker, Salz oder Fett enthält. Eine solche einfache Kennzeichnung wird seit Jahren von Ärzten gefordert. Zusätzlich wird auf Palmöl-Bestandteile oder gefährdete Fischarten hingewiesen.

Dank des Bewertungskreises bei Kosmetika und Lebensmitteln erkennen Nutzer auf einen Blick, ob ein Produkt prozentual mehr positive oder negative Eigenschaften besitzt.

Die Expertenbewertungen stammen u.a. von: ÖKO-TEST, Greenpeace, Stiftung Warentest, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), WWF, Foodwatch, Deutsche Diabetes-Stiftung Stiftung für Konsumentenschutz, Arbeiterkammer Wien und viele andere.

// Codecheck-Webseite: www.codecheck.info

// Codecheck-App zum Download für iPhone und Android

// Presse-Kontakt:
Antje Babbe | Codecheck.info | Tel: +41 44 450 25 41
 | antje.babbe@codecheck.info

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Was ist Palmöl? – Nachhaltig Essen am 05/02/2016 um 10:35

    […] Aber auch Wurstwaren, Junk-Food, Fertiggerichte und Cracker sind betroffen. Wenn Ihr mehr dazu wissen wollt, verweise ich Euch dazu gerne auf die Palmöl-Studie von Codecheck. […]